🍗 Pollo alla Cacciatora

Der toskanische Klassiker mit knusprig angebratenen Keulen im tiefen Kräuter-Tomaten-Saft

Ein leichtes, unglaublich aromatisches Hähnchengericht nach Jägerart. Durch die Verwendung von Hühnchenkeulen mit Knochen bleibt das Fleisch beim Schmoren saftig und gibt eine wunderbare Tiefe an die Tomaten-Wein-Sauce ab. Majoran sorgt am Schluss für den runden Kräuter-Abschluss.

Poetische Beschreibung

Wie ein ruhiger Abend in einer italienischen Küche: erst das kräftige Anbraten der Hühnchenkeulen für die perfekten Röstaromen, dann das meisterhafte, geduldige Schmelzen des Soffritto direkt im intensiven Bratensatz. Wenn das Tomatenmark langsam seine Säure verliert und Wein, Tomate sowie Rosmarin miteinander verschmelzen, legt sich der Majoran wie ein weicher Kräuterschleier über das fertig geschmorte Meisterwerk.

Angaben

  • Vorbereitungszeit: 20 Minuten
  • Kochzeit: 55 Minuten
  • Gesamtzeit: 75 Minuten
  • Portionen: 2 Personen
  • Schwierigkeit: einfach
  • Art: Fleischgericht, genauer ein italienisches Schmorgericht bzw. Secondo piatti
  • Region: vor allem Toskana

📊 Nährwerte (pro Portion, geschätzt)

  • Kalorien: ca. 360 kcal, Eiweiss: ca. 38 g, Kohlenhydrate: ca. 9 g, Fett: ca. 16 g

💡 Profi-Tipps für die Zubereitung

  • Das Soffritto-Geheimnis: Schlampe nicht beim Gemüse. Das Trio aus Zwiebeln, Karotten und Sellerie bildet das aromatische Fundament. Gib ihm Zeit zum Schmelzen – das nimmt den Tomaten später die aggressive Säure ganz ohne Zucker.
  • Tomatenmark richtig rösten: Das Mark darf nicht einfach untergerührt werden. Es braucht den direkten Kontakt mit dem heissen Pfannenboden und dem Fett, um seine metallische Note in tiefes Umami zu verwandeln.

 

Zutaten (für 2 Personen)

Für das Huhn & das Soffritto

  • 2 grosse Hühnchenkeulen (oder 4 geteilte Ober-/Unterkeulen), mit Haut und Knochen
  • 1,5 EL Olivenöl zum Anbraten
  • 1 mittelgrosse Zwiebel, fein gewürfelt
  • 1 kleine Karotte, fein gewürfelt
  • 1 kleine Stange Staudensellerie, fein gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt

Für das Schmorgemüse & die Sauce

  • 1/2 rote Peperoni, in mundgerechte Streifen geschnitten
  • 100 g braune Champignons, vierteliert
  • 1 gehäufter EL Tomatenmark
  • 40 ml Wermut (z. B. Noilly Prat)
  • 80 ml trockener Rotwein (z. B. Chianti)
  • 1 Dose (400 g) hochwertige gehackte Tomaten (vorzugsweise San Marzano)
  • 1 TL Sojasauce (für den versteckten Umami-Boost)
  • 10-12 schwarze Oliven (Kalamata, entsteint)

Kräuter & Gewürze

  • 1 Zweig frischer Rosmarin
  • 3-4 Blätter Zitronenverbene (oder etwas Zitronenabrieb)
  • 1/2 TL Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 Handvoll frischer Majoran, die Blättchen abgezupft (für das Finish)

Beilagen-Auswahl

  • Cremige Polenta: Der absolute Klassiker aus der Toskana. Nimmt die reichhaltige Tomatensauce perfekt auf.
  • Frisches Ciabatta oder Focaccia: Unverzichtbar für das italienische Fare la scarpetta – das saubere Auswischen der Sauce vom Teller.
  • Rosmarinkartoffeln (Patate al forno): Im Ofen kross gebackene Kartoffelspalten mit grobem Meersalz.
  • Breite Bandnudeln (Pappardelle oder Tagliatelle): Perfekt, um das Ragout wie eine dicke Pasta-Sauce zu geniessen.
  • Gedünsteter Spinat (Spinaci al burro): Leicht in Butter und Knoblauch geschwenkt für eine frische, grüne Note.

Zubereitung

1. Keulen anbraten & parken

  • Die Hühnchenkeulen kräftig mit Salz und Pfeffer würzen. In heissem Olivenöl auf der Hautseite geduldig anbraten, bis sie goldbraun und knusprig sind, danach kurz wenden und anschliessend auf einem Teller beiseiteparken. Das wertvolle Hühnerfett und der Bratensatz bleiben komplett in der Pfanne.

2. Das echte Soffritto zelebrieren

  • Die Hitze auf mittlere Stufe reduzieren. Die fein gewürfelten Zwiebeln, Karotten und den Sellerie in das Hühnerfett geben. Unter gelegentlichem Rühren gut 10 bis 15 Minuten langsam andünsten, bis das Gemüse weich und glasig wird, süsslich duftet und die Aromen des Bratensatzes vollständig aufgesaugt hat. Erst in den letzten 2 Minuten den Knoblauch, die Peperonistreifen und die Pilze mitlaufen lassen.

3. Das langsame Rösten des Marks (Tomatieren)

  • Das Gemüse in der Pfanne etwas zur Seite schieben, sodass in der Mitte ein freier Platz auf dem Pfannenboden entsteht. Das Tomatenmark direkt in dieses heisse Fett geben. Bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren langsam anrösten lassen, bis es seine Farbe von Hellrot zu einem tiefen Dunkelrot verändert und herrlich röstig riecht. Erst dann das Mark mit dem restlichen Gemüse vermengen.

4. Ablöschen & Schmoren

  • Die Hitze kurz erhöhen und die Pfanne mit dem Wermut und dem Rotwein ablöschen. Den Bodensatz mit dem Kochlöffel gründlich kratzen und lösen. Die Flüssigkeit um die Hälfte einkochen lassen. Gehackte Tomaten, Sojasauce, Rosmarin und Zitronenverbene hinzufügen. Die parkierten Keulen mitsamt dem Fleischsaft zurück in den kochenden Sud betten, den Deckel schliessen und bei kleinster Hitze ca. 40 Minuten sanft schmoren lassen.

5. Das Finale

  • Kurz vor dem Ende der Garzeit die Oliven unterrühren, die harten Kräuterzweige (Rosmarin) entfernen und das fertige Gericht vor dem Servieren üppig mit dem frischen Majoran bestreuen.