Brauner Fond (französisch)

Klassische Grundlage der modernen Küche

Brauner Fond nach Escoffier-Art (ohne Schwein) 

Kräftiger Fond aus gerösteten Rinder- und Kalbsknochen, Rind- und Kalbfleisch sowie angerösteten Zwiebeln, Karotten und Knollensellerie. Ohne Tomatenmark, Schweinefleisch, Schweineknochen und Schweinefett. Der Verzicht auf Schwein macht den Fond leichter und ermöglicht eine breitere Verwendung in der internationalen Küche, insbesondere für Gäste, die aus religiösen Gründen kein Schwein essen.

Tipp an den Koch: Röste Knochen, Fleisch und Gemüse geduldig dunkelbraun, aber niemals schwarz. Die Farbe darf langsam entstehen – beim späteren Glacieren entscheidet genau diese Röstung über Tiefe, Kraft und Eleganz des Fonds. Röste Knochen, Fleisch und Gemüse geduldig dunkelbraun, aber niemals schwarz. Die Farbe darf langsam entstehen – beim späteren Glacieren entscheidet genau diese Röstung über Tiefe, Kraft und Eleganz des Fonds.

Zutaten

  • 350 g Rinderknochen
  • 350 g Kalbsknochen
  • 650 g Rindfleisch, grob gewürfelt
  • 650 g Kalbfleisch, grob gewürfelt
  • je 250 g Karotten, Knollensellerie und Zwiebeln, grob geschnitten
  • 1 Lorbeerblatt, 2–3 Zweige Thymian, Petersilienstängel
  • 1 Knoblauchzehe
  • wenig Öl
  • ca. 3–4 l kaltes Wasser

Auguste Escoffier – Vater der modernen Küche

Auguste Escoffier gilt zu Recht als Vater der modernen Küche. Er hat die französische Kochkunst nicht einfach weitergeführt, sondern grundlegend geordnet, vereinfacht und auf ein Niveau gehoben, das bis heute die professionelle Gastronomie prägt.

Seine überragende Leistung bestand darin, aus der oft schwerfälligen und überladenen Küche des 19. Jahrhunderts ein klares, modernes System zu formen. Er stellte die Qualität der Grundprodukte in den Mittelpunkt, reduzierte unnötige Überladungen und entwickelte eine leichtere, präzisere Küche.

Mit „Le Guide Culinaire“ schuf er ein bis heute bedeutendes Standardwerk. Es ist weit mehr als eine Rezeptsammlung: Es ist eine systematische Sprache der Küche, in der Fonds, Saucen, Glacen, Garmethoden und klassische Gerichte geordnet und nachvollziehbar dargestellt werden.

Ebenso revolutionär war seine Brigade de cuisine. Durch klare Zuständigkeiten und Arbeitsbereiche machte Escoffier die Küche effizienter, disziplinierter und lehrbarer. Dieses Organisationsprinzip prägt professionelle Küchen noch heute.

Seiner Zeit voraus war Escoffier auch in seinem Verständnis von Professionalität. Der Koch sollte nicht nur Handwerker, sondern zugleich Organisator, Ausbilder und Bewahrer einer überlieferten Fachsprache sein. Dadurch trug Escoffier wesentlich dazu bei, das Ansehen des Kochberufs zu steigern.

Sein Einfluss reicht weit über einzelne Rezepte hinaus. Die Bedeutung von Fonds, Saucen und Glacen, die Ordnung der Küche, die klare Arbeitsteilung und die systematische Ausbildung von Köchen tragen bis heute seine Handschrift.

Auguste Escoffier war nicht nur ein grosser Koch seiner Zeit. Er war der Architekt der modernen Kochkunst – und in vielem seiner Zeit weit voraus.

Zubereitung

1. Knochen rösten: Knochen bei 200 °C ohne oder mit sehr wenig Fett kräftig braun rösten, etwa 45–75 Minuten. Zwischendurch wenden. Nach dem Rösten das ausgetretene Knochenfett abgiessen und auffangen.

2. Gemüse anrösten: Darin Zwiebeln, Karotten und Knollensellerie grob zerteilt goldbraun anrösten.

3. Ersten Fond ansetzen: Knochen und Gemüse mit kaltem Wasser knapp bedecken, Bratensatz vom Blech mit Wasser lösen und beigeben. Bouquet garni (Lorbeerblatt, Thymian, Petersilienstengel) und Knoblauch hinzufügen.

4. Knochenfond kochen: Langsam aufkochen, abschäumen und mindestens 12 Stunden sehr sanft simmern lassen. Wasserstand bei Bedarf auffüllen.

5. Passieren: Knochenfond durch Chinois und Passiertuch giessen. Die Knochen und das Gemüse entfernen.

6. Fleisch anbraten: Rind- und Kalbfleisch in groben Würfeln separat hell- bis mittelbraun anbraten.

7. Glacieren: Etwas passierten Fond zum Fleisch geben und langsam einkochen lassen, bis die Flüssigkeit fast sirupartig reduziert ist. Diesen Vorgang zwei- bis dreimal wiederholen. Genau dieses wiederholte Einkochen mit wenig Fond ist der entscheidende Escoffier-Schritt.

8. Mit Fond auffüllen: Nach dem letzten Glacieren den restlichen Fond beigeben und das Fleisch nochmals etwa 2 Stunden sehr sanft dünsten lassen.

9. Endpassieren: Fond durch Chinois und anschliessend durch ein feines Passiertuch giessen.

10. Kühlen und reduzieren: Rasch abkühlen, entfetten und nach Wunsch weiter reduzieren. Für eine Glace den Fond in immer kleineren Töpfen einkochen, bis er glänzend den Löffel überzieht.

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